Liebe Mitglieder der Heilig Kreuz-Gemeinde,
liebe Leserinnen und Leser!
Die Renovierung unserer Kirche steht seit einiger Zeit im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit. Im Oktober konnten wir den ersten Bauabschnitt abschließen, die Erneuerung des Kirchendachs und die Behebung von Schäden an der „Außenhaut“. Wir haben das mit einem festlichen Gottesdienst begangen, denn für eine Gemeinde ist die eigene Kirche der Mittelpunkt des Lebens, ein Haus, in dem sichtbar wird, was uns innerlich trägt und zusammenführt.
Gotteshäuser und Tempel gibt es in fast allen Religionen. Schaut man jedoch in die Bibel, dann kann man ein eigenartig spannungsreiches Verhältnis des Gottesvolkes dazu wahrnehmen. Juden und Christen verehren eine unsichtbaren, namenlosen Gott – einen Gott, den man nicht benennen und darstellen kann, den man vielmehr erfahren muss in seinem Mitgehen, seinem Mit-sein, ja in seinem Mit-Mensch sein. Diese Gotteserfahrung zeigte sich auch in dem ursprünglichen Gotteshaus des Volkes Israel. Am Anfang stand nicht ein Haus aus Steinen, sondern ein Zelt, in dem der mit-wandernde Gott dem Mose und den Anführern des Volkes begegnete. „Heiliges Zelt“ – Tabernakel, so nennen wir auch das Sakramentshaus, in dem das Brot aufbewahrt wird, in dem der menschgewordene Gott uns immer wieder neu begegnen will.
Als König David den ersten Tempel bauen wollte, verhinderte Gott dieses Vorhaben. Erst Davids Sohn konnte den Bau verwirklichen. Die Bibel betont: Gott braucht keinen Tempel und keine Kirche – und man kann Gott auch nicht hinter Mauern einsperren! Wir Menschen sind es aber, die Gotteshäuser brauchen. Wir sind nun einmal Wesen mit Leib und Seele. Um etwas wirklich begreifen zu können, muss etwas für uns sichtbar und handgreiflich werden. Kirchen werden gebaut, um unseren unsichtbaren Glauben zu verleiblichen, ihn uns selbst vor Augen zu stellen und uns dabei zu helfen, diesen Glauben zu feiern und zu vertiefen.
Wenn wir uns die Heilig Kreuz-Kirche anschauen, dann wird an diesem Gebäude einiges von dem bisher Gesagten sichtbar. Das gerade erneuerte Dach unserer Kirche hat die stilisierte Form eines Zeltdaches. Es erinnert uns daran, dass Gott mit uns unterwegs ist, dass wir ihm nicht nur hier in dieser Kirche begegnen können, sondern überall. Diese Kirche will uns die Augen öffnen für die Orte der Gottesbegegnung. Die bunten Fenster spiegeln mit ihren Farben die uns umgebende Natur wieder. Wir sehen das Blau der Flüsse und Bäche, das Grün des Waldes, das Violett der Heide, das Ocker der Sandböden, das Grau der Steine. Die Fenster wollen uns so einladen, Gottes Gegenwart in der Schöpfung zu erkennen. Im Sakramentshaus sehen wir an den Wänden einen eigenartigen Steinfries. Er symbolisiert die menschlichen Siedlungen, die zur Zeit des Kirchbaus hier entstanden sind: die Sandbek-Siedlung, der Petershof, die großen Wohnkomplexe in Neuwiedenthal. Und in der Mitte steht der Tabernakel mit dem Brot, in dem Jesus leibhaft gegenwärtig ist. So soll uns gezeigt werden, dass Christus nicht nur hier in der Kirche ist, sondern auch in unseren Häusern, mitten in unserem Alltagsleben.
Diese Kirche will uns jedoch nicht nur Orte der Gegenwart Gottes zeigen – sie will uns einladen, diese Gegenwart hier auch lebendig zu erfahren und zu feiern. Der Altar, der Taufbrunnen, die Beichtstühle – sie sind die besonderen Orte der sakramentalen Gegenwart Gottes.
Weil diese Gegenwart lebenswichtig für uns ist, so unendlich wertvoll, deshalb werden die Orte der besonderen Gotteserfahrung in christlichen Kirchen auch besonders kostbar gestaltet. An der äußeren Gestalt soll für uns selbst sichtbar werden, wie kostbar uns die Begegnung mit Gott ist, wie heilsam und lebendig seine Zuwendung in Wort und Sakrament.
Bringt das die gegenwärtige Gestalt unserer Kirche wirklich noch zum Ausdruck? Sicher, wir haben jetzt ein neues Dach, es wird endlich nicht mehr hineinregnen, wir haben Bänke und Stühle und die ganze Kirchenausstattung. Wir könnten jetzt mit dem Dank für die Dachsanierung zur Tagesordnung übergehen. Aber seien wir mal ehrlich: ist das Innere dieser Kirche nicht doch schon ziemlich in die Jahre gekommen? Welchen Eindruck erweckt diese Kirche auf einen fremden Besucher? Wird er erkennen, dass wir hier das Kostbarste unseres Lebens sichtbar machen wollen?
Wohl kaum. Sicher, auf den Stühlen, die an den Wänden und neben der Orgel stehen, kann man noch sitzen – aber würden Sie sich solche Stühle ins Wohnzimmer stellen? Auch unsere Kirchenbänke sind solide und fest – aber sie brauchen unbedingt eine Überarbeitung und Reparatur. Wenn ich mit jungen Familien die Taufe feiere, schäme ich mich über den Zustand der Taufkapelle. Sie bringt kaum zum Ausdruck, wie wertvoll das Taufsakrament für einen Menschen ist. Der Taufbrunnen steht nicht in der Mitte, sondern etwas versetzt, so dass der Ruß der Osterkerze die Decke geschwärzt hat. Da stehen noch die alten Behelfsbänke aus der Nachkriegskirche, man kann darauf sitzen, aber richtig wohl fühlt man sich nicht darauf; aus der Taufkapelle wurde mit den Jahren eine Kerzenkapelle und an Weihnachten wird zwischen Taufbecken und Marienbild noch eine Krippe gezwängt. Soll das immer so bleiben?
Ganz schlimm ist es, wenn man die Beichtstühle betritt. Ein muffiger Geruch kommt einem entgegen, die ganze Ausstattung sieht heruntergekommen und schäbig aus. Wie soll ich Kindern vermitteln, dass wir hier ein Fest der Versöhnung feiern wollen? Aus diesem Beichtstuhl will man nur schnell heraus, so wie man schnell die Beichte hinter sich bringt und dann viele Jahre nicht wiederkommt. Für ein Fest der Versöhnung braucht es andere Räume.
Ich könnte noch weiteres aufzählen und ich stehe nicht allein mit meinem Empfinden. Dem Kirchenvorstand ist die Erneuerung des Kircheninneren seit langem ein Anliegen. Neben den Orten für die Feier der Sakramente der Taufe und der Versöhnung sind auch die Beleuchtung zu nennen oder der Eingangsbereich der Kirche. Jetzt wo das Dach der Kirche endlich erneuert wurde, wollen wir auch das Innere der Kirche so erneuern, dass wir und andere hier erleben können, wie kostbar unser Glauben ist.
Was ist uns diese Erneuerung wert? Wenn ich in den sogenannten Missionsländern war, dann habe ich immer gestaunt, welch tiefes Empfinden gerade die Armen für die Kostbarkeit ihrer Gotteshäuser hatten. Sichtbar wurde das auch in der eigenen Kleidung, z.B. in den Kleidern der Kinder für die Erstkommunion. Wenn ich in Deutschland Bilder von den Kommunionfeiern in Nicaragua zeigte, dann wurde oft gestaunt über die wunderschönen Kleider der Kinder. Dann sind die Leute also doch nicht so arm!, sagten dann viele, denen ich die Bilder zeigte. Doch, sie sind bitterarm! Viele Familien verschulden sich auf viele Monate hin, um ein besonders schönes Kommunionkleid kaufen zu können. Wenn ihre Kinder das Kostbarste ihres Lebens empfangen, dann sollen auch ihre Kleider diese Kostbarkeit zum Ausdruck bringen!
Ich bitte alle, die sich der Heilig Kreuz-Gemeinde verbunden fühlen, sich die Erneuerung unserer Kirche etwas kosten zu lassen. Helfen Sie mit, dass diese Kirche wieder in Schuss gebracht werden kann, damit bereits ihre äußere Gestalt allen Besuchern zeigt, dass uns hier in den Sakramenten das Wertvollste unseres Lebens geschenkt wird. Wir wollen hier kein Gold und Silber anbringen, aber doch eine würdevolle Gestaltung der Kirche erreichen.
Der Kirchenvorstand hat anlässlich unserer Spendenkampage einen Heilig Kreuz-Taler aufgelegt, der gegen eine Spende zugunsten der Renovierung abgegeben wird. Auf der Vorderseite des Talers sehen Sie das Kreuz mit der Krone, das unsere Kirche schmückt. Auf der Rückseite steht ein biblischer Segensspruch. Die Gestaltung des Talers macht auf diese Weise deutlich: Wer etwas für die Heilig Kreuz-Kirche tut, der spendet anderen Segen – aber er wird auch selbst gesegnet! Erwerben Sie den Taler für sich selbst, schenken Sie ihn weiter an Ihre Freunde und Bekannte. Er kann ein guter Gebetsbegleiter sein – auf dem Nachtschrank, im Auto, am Arbeitsplatz!
Vor allem möchte ich Sie bitten: Helfen Sie uns, die Innenrenovierung unserer Kirche verwirklichen zu können. Auch jede kleine Gabe ist hilfreich. Das Erzbistum Hamburg hat uns die finanzielle Unterstützung zugesagt, wir müssen aber selbst auch einen größeren Beitrag aufbringen. Wir wollen versuchen, 100.000 Euro an Spenden zu sammeln. Ein sehr ehrgeiziges Ziel! Doch wir wollen den Innenraum großzügig umgestalten, damit diese Kirche auch in den nächsten vierzig Jahren für die Menschen im Süderelbe-Raum ein ganz besonderer Ort sein kann, ein Ort, um sich von Gott beschenken zu lassen, ein Ort, um den Glauben zu feiern und zu vertiefen.
Ihr Pfarrer
P. Ralf Huning SVD

