Liebe Schwestern und Brüder im Erzbistum Hamburg,

in großer Freude schreibe ich Ihnen aus Anlass der Wahl unseres Papstes Franziskus diesen Brief. Ich tue das nicht, ohne zuvor in herzlicher Dankbarkeit an das segensreiche Wirken von Papst Benedikt zu denken.

In aller Eile möchte ich Ihnen fünf Punkte nennen, die ich mit der Wahl von Papst Franziskus verbinde.

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1. „Geht hinaus in die ganze Welt“, hat Jesus uns aufgetragen. Dass dieser neue Papst erstmals nicht aus Europa kommt, sondern aus Lateinamerika, empfinde ich als ein starkes Signal. Er wirkte bisher in dem Kontinent mit den meisten Katholiken. Durch diesen neuen Papst werden wir noch mehr als bisher die Weltkirche im Blick haben. Denn Papst Franziskus wird die Perspektive des Südens der Erde in alle kirchlichen Überlegungen stärker einbringen.

In dem Teil der Welt, der Lateinamerika umfasst, hat es in den vergangenen Jahrzehnten starke Aufbrüche gegeben in geistlicher und sozialer Hinsicht. Dieser Papst aus einem Land mit so vielen Armen wird uns wichtige Impulse geben, was es bedeutet, wenn Jesus uns sagt, wir sollen den Armen das Evangelium verkünden. Wir wollen als Kirche mit Papst Franziskus an der Seite der Armen stehen und uns für eine gerechte Verteilung der Güter dieser Erde einsetzen.

2. Dazu passt gut, dass wir unsere erste Sonntagsmesse in Gemeinschaft mit Papst Franziskus am Misereorsonntag feiern. Seit über fünfzig Jahren spielen wir mit unserem Hilfswerk Misereor eine wichtige Rolle im Kampf gegen Hunger und Krankheit in der Welt.

Ich bin bei der Arbeit für Misereor in Lateinamerika unserem neuen Papst nicht begegnet. Aber meine Mitarbeiter bei Misereor berichteten mir begeistert vom Erzbischof von Buenos Aires. Wie er selbst aktiv ist im Kampf gegen die Armut und wie sehr er die Arbeit von Misereor unterstützt. In seiner bisherigen Diözese gibt es mehrere Misereorprojekte, vor allem für die Bildung Jugendlicher und für die Verbesserung der Wohnsituation armer Bevölkerungsgruppen. Die heutige Misereorkollekte soll ein besonderes Zeichen der Verbundenheit mit unserem Papst Franziskus sein.

3. Dass sich der Papst den Namen Franziskus gewählt hat, sagt viel aus über sein Verständnis des Evangeliums. Dort wird uns Jesus als Armer verkündet, der in diese Welt gekommen ist, um uns den Reichtum der Gemeinschaft mit Gott zu bringen.

„Dem armen Jesus in Armut nachfolgen“ – das war das Lebensprogramm des Heiligen Franz von Assisi. In den Franziskanischen Orden und Gemeinschaften ist es bis heute lebendig.

Was Jesus, Franziskus und unseren Papst besonders verbindet, lässt sich auf die schlichte Formel bringen: Sie haben ein Herz für die Armen.

Zum Heiligen Franziskus gehört in gleicher Weise die Liebe zur Schöpfung. „Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester Erde“. So betet Franziskus in seinem berühmten Sonnengesang. Unser Papst mit dem Namen Franziskus weist uns darauf hin, wie wichtig die Bewahrung der Schöpfung ist.

Franz von Assisi lebte eine intensive Christusfrömmigkeit. Er konnte die Armen lieben und die Schöpfung Gottes lieben, weil er Christus liebte. Diese Liebe zu Christus hat er in seinem Beten, Singen und Handeln immer wieder neu zum Ausdruck gebracht.

Der Papst kommt aus der Gemeinschaft der Jesuiten. Er hat sich aber nicht nach deren Ordensgründer Ignatius genannt. Das Ignatianische mit der Weisung, in allem Gott zu suchen, wird dieses Pontifikat aber prägen.

Mich beschäftigt der Gedanke, ob nicht gerade die Verbindung von ignatianischer und franziskanischer Spiritualität besonders gut in unsere Zeit hineinpasst.

4. Die Heimat Argentinien von Papst Franziskus lässt mich an unser Partnerbistum Iguazu in Argentinien denken. Ich habe Bischof Martorell sofort einen Glückwunsch geschickt. Nun weiß ich nicht, ob die Schwestern und Brüder in Argentinien jetzt auch sagen „Wir sind Papst“. Aber sie werden in ihrer überschäumenden Fröhlichkeit zum Ausdruck bringen, wie sehr sie sich über Papst Franziskus freuen. Unsere Partnerschaft mit dem Bistum Iguazu in Argentinien soll durch unseren Papst aus Argentinien noch mehr Schwung bekommen.

5. Am Morgen des Tages der Papstwahl hatte ich in der Heiligen Messe darauf hingewiesen, dass der 13. März 2013 der 76. Jahrestag der Priesterweihe des seligen Johannes Prassek ist. Wir haben dann unsere Lübecker Märtyrer besonders um ihre Fürsprache für eine gute Papstwahl angerufen.

Papst Franziskus hat Erfahrung damit, was Martyrium bedeutet. Vor wenigen Jahrzehnten wurden auch in Argentinien Christen eingesperrt und ermordet. Es spannt sich ein weiter Bogen von den Lübecker Märtyrern über die Opfer in Argentinien bis hin zu den Christenverfolgungen heute in Teilen Afrikas und Asiens. Ich finde wichtig, dass wir uns bewusst machen, dass Christen die am meisten verfolgte Gruppe in unserer Zeit sind.

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Liebe Schwestern und Brüder, eine Fülle von Erwartungen richtet sich an Papst Franziskus. Aber sollen wir dem neuen Papst nicht auch sagen, was er von uns erwarten darf? Was kann Papst Franziskus von mir erwarten, von meinem Glauben, von meiner Hoffnung, von meiner Liebe?

Verbunden im Gebet mit Papst Franziskus und der ganzen Kirche grüße ich Sie alle herzlich in unseren drei Bistumsregionen Hamburg, Mecklenburg und Schleswig-Holstein.

 

Ihr + Werner

Erzbischof